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Bachchor Mainz - Pressestimmen

Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784)
Aufführung wiederentdeckter Kantaten

Augustinerkirche Mainz, 1. und 2. Juni 2010

"Originalgenie" und Tradition

Frankfurter Allgemeine Zeitung

von Guido Holze, 4.06.2010

Kantaten Wilhelm Friedemann Bachs in Mainz

Charakterlich ist Wilhelm Friedemann Bach seinem Vater, von dem er sich zeitlebens überschattet gefühlt haben muss, in mancher Hinsicht ähnlich gewesen. Als "unbequemer, widerborstiger Zeitgenosse" geriet auch er in Konflikt mit seinen Vorgesetzten in einem Amt, das dem des Leipziger Thomaskantors durchaus ähnelte. Der 1710 geborene, älteste Sohn des berühmten Bach zog die letzte Konsequenz und kündigte die angesehene Stelle als Hallenser Musikdirektor und Organist nach 18 Jahren 1764, um als einer der Künstler der Musikgeschichte sein Glück als freischaffender, reisender Virtuose zu suchen. "Alt, ausgelaugt, arm und verbittert" ließ er sich schließlich 1774 in Berlin nieder, schilderte der Bach-Forscher Peter Wollny vom Bach-Archiv Leipzig jetzt zur Einführung in ein ungewöhnliches Konzert mit wiederentdeckten Hallenser Kantaten von Wilhelm Friedemann Bach.

Vertraglich war Wilhelm Friedemann, ähnlich wie sein Vater, zur regelmäßigen Aufführung von Kantaten verpflichtet. Das mussten nicht immer eigene Werke sein, doch hatte er offenbar den Ehrgeiz, wenigstens zu den hohen Festtagen selbst die Vokalmusik zu schreiben. So sind immerhin etwa 20 Kantaten aus seiner Hallenser Zeit erhalten, die jedoch in der Praxis nie als Repertoire erschlossen wurden. Erst zum 300. Geburtsjahr des Komponisten wurde nämlich jetzt eine Gesamtausgabe seiner Werke vorgelegt. Eine wichtige Grundlage dafür war die Wiederentdeckung eines verschollen geglaubten Notenarchivs durch den Bach-Forscher Christoph Wolff 1999 in Kiew.

Der Bachchor Mainz und das Münchner Barockorchester "L'arpa festante" brachte nun unter der Leitung von Ralf Otto mit der Unterstützung mehrerer Kooperationspartner erstmals vier der Hallenser Kantaten von Wilhelm Friedemann Bach wieder zum Klingen. In der Mainzer Augustinerkirche, der Seminarkirche des Bischöflichen Priesterseminars, bildete dabei die Kantate "Wohl dem, der den Herren fürchtet" mit einem kunstvoll polyphonen, an den Vater gemahnenden Eingangschor den Auftakt. Überhaupt erwiesen sich die vorgestellten Werke als relativ konservativ, dabei jedoch geistreich und inspiriert.

Süffiges Melos und reizvolle Vorhaltsdissonanzketten waren oft kennzeichnend. Das galt auch für die zwischen die Vokalwerke eingeklinkte Sinfonia d-Moll, die noch aus Wilhelm Friedemanns Dresdener Zeit stammt: Eingeleitet wurde sie mit einem geheimnisvoll kargen, von zwei Traversflöten getragenen Adagio, das ein Gefühl von Einsamkeit vermittelte, ehe sie in ein streng tönendes Fugato überging.

In den folgenden drei Kantaten bestätigte sich Wollnys Auffassung, dass Wilhelm Friedemann keineswegs einen Traditionsbruch angestrebt habe, also nicht - gemäß der Ästhetik seiner Generation - die Profilierung als "Originalgenie" suchte. Allerdings mutete er den Instrumentalisten wie den Gesangssolisten oft unbequeme Parts zu. Die ausgezeichneten Sänger Dorothee Mields (Sopran), Gerhild Romberger (Alt), Georg Poplutz (Tenor) und Klaus Mertens (Bass) bewältigten diese mit großer Sicherheit und viel Stilgefühl. Zu kämpfen hatten nur teilweise die Hornisten mit ihren sehr hoch liegenden, exponierten Partien in der Weihnachtskantate "O Wunder, wer kann dieses fassen?". Sehr individuell bis kurios komponiert mutete in dieser ein Duett mit schnellen begleitenden Basslinien an.

Melodisch Sperriges fand sich in den Arien der zweiten Weihnachtskantate "Ach, dass du den Himmel zerrissest", die gleich eigenwillig marschmäßig und mit Hörner-Geschmetter anhub und teils nicht eben sängerfreundlich instrumentiert war. Besonders prächtig klang zum Schluss die mit Pauken und Trompeten besetzte Himmelfahrtskantate "Gott fähret auf mit Jauchzen" mit ihrer Polyphonie. Alles in allem war es eine kaum genug zu lobende Würdigung eines Komponisten, der neben Schumann, Chopin und Mahler in diesem Jahr als Jubilar, aber auch generell einen schweren Stand hat.

Anspruch und Anforderung

Frankfurter Rundschau

von Bernhard Uske, 7. Juni 2010

Kantaten von Friedemann Bach

Gustaf Gründgens hat ihn 1941 als schwierigen, höchst anspruchsvollen und kompromisslosen Sohn des Thomaskantors gespielt in dem Film "Friedemann Bach". Dessen Zeit als Organist und Musikdirektor in Halle erscheint dort als quälende Durststrecke.

70 Jahre nach diesem Friedemann-Bild und genau zur 300. Wiederkehr des Geburtstags fand jetzt der erste klingende Kontakt mit Teilen der Hallenser Produktion des Friedemann Bach in der Seminarkirche des Bischöflichen Priesterseminars Mainz statt. Ein Konzert, das besonderen Rang hatte, sind doch die vier Kantaten, die vom Bachchor Mainz unter Ralf Otto zu Gehör gebracht wurden, erst vor zehn Jahren in Kiew entdeckt worden. 1943, also nicht lange nach Fertigstellung des Friedemann-Films, hatte man große Notenbestände in Niederschlesien deponiert, was sie zwar vor der sicheren Vernichtung, nicht aber vor einem Abtransport Richtung Osten schützten.

So wie Bach-Forscher Peter Wollny vor Konzertbeginn den Bach-Sohn charakterisierte, scheint das von Gründgens gegebene Bild zu stimmen: einer, der neue, unkonventionelle Ideen hatte, sie aber innerhalb protestantisch-bürgerlicher Anforderungen nicht wirklich realisieren konnte.

Das auskomponierte Paradox

Solche Ideen waren etwa eine Stelle wie "das Geheimnis einzusehen", wo Alt und Sopran (schön tragend Gerhild Romberger und leicht geführt Dorothee Mields) das auskomponierte Paradox deutlicher Undeutlichkeit plastisch machen. Regelrecht agitatorisch klang der Unisono-Chor "Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab".

Der Bachchor wirkte hervorragend vorbereitet: strahlend und völlig frei artikulierend; auch die männlichen Solisten (Georg Poplutz und Klaus Mertens) waren sehr gut. Es spielte das animierte Orchester L´arpa festante München. Die mulmige Halligkeit bei schnellen, lauteren Partien dürfte dem spätbarocken Prachtbau in der Augustinergasse geschuldet sein. Aber um den Altar herum ist eben auch nicht der optimale Klangraum für einen Chor, für den es eine Empore mit passenderen Klangwirkungen gibt.

Bach-Sohn im Fokus der Kameras

Allgemeine Zeitung Mainz

Von Jan-Geert Wolff, 5. Juni 2010

Aufwändige Fernsehproduktion mit dem Bachchor Mainz

Alles ist wie immer und doch irgendwie ganz anders: Der Bachchor singt nicht in der Mainzer Christus-, sondern in der Augustinerkirche, wo er sonst nur zu den Ökumenischen Vespern eine Heimstatt hat. Man musiziert Bach, aber nicht Johann Sebastian, sondern Sohn Wilhelm Friedemann. Auch in Sachen Uraufführung ist das Ensemble nicht unerfahren, doch hat man noch nie wiederentdeckte Barock-Kantaten von solch bizarrer Schönheit sowie hohem Anspruch gesungen. Und außerdem sind es die Sängerinnen und Sänger des Bachchors auch nicht unbedingt gewohnt, von mehreren Fernsehkameras beäugt zu werden.

Eine ungewohnte Erfahrung also zwischen Kabelschlauch und Kamerakran, denn das Konzerterlebnis dieses Abends spielte sich nicht nur für die Choristen, Solisten und Musiker des Barockorchesters L'arpa festante München zwischen Mikrofon, Notenmappe, Puderquaste und Dirigentenstab ab. Selbst das Publikum war vorab gebeten worden, trotz frühlingshafter Temperaturen in gedeckter Abendgarderobe zu erscheinen, soll der Mitschnitt des ZDF doch am 19. Dezember im Weihnachtsprogramm von "arte" gesendet werden. Und so hatte auch der dekorative, weil voll illuminierte Adventskranz im Kirchenschiff durchaus seine Berechtigung.

Das Hören dieser vier über lange Zeit verschollenen geglaubten Kantaten von Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784) hatte tatsächlich ein wenig etwas vom Öffnen einer Schatzkiste, zumal die Künstler die Werke zuvor für eine CD eingespielt und den "Inhalt" somit präsentabel aufpoliert hatten. Gemeinsam mit seinem instrumentalen Partner und vor allen dem brillanten Solistenquartett aus Dorothee Mields (Sopran), Gerhild Romberger (Alt), Georg Poplutz (Tenor) und Klaus Mertens (Bass) gelang dem Vokalensemble unter der Leitung von Ralf Otto eine packende Interpretation der Festtags-Kantaten "Wohl dem, der den Herren fürchtet", "O Wunder, wer kann dieses fassen", "Ach, dass du den Himmel zerrissest" und "Gott fähret auf mit Jauchzen".

Inspiriert von den assoziationsreichen Werktiteln gestalteten die Sänger ihre Partien hochvirtuos: Kraftvoll intonierte Arien, geradezu plastisch gestaltete Rezitative, jubelnde Chöre und verhaltene Choräle, in denen Otto tiefgründige Exegese über oberflächliche Effekte stellte, schlugen einen spannenden Bogen von der Orientierung Wilhelm Friedemanns an Vater Bach bis zum Aufgreifen neuer Strömungen. Atemberaubende Tempi und halsbrecherische Diktionen stellten an Interpreten und Zuhörer beachtliche Herausforderungen, die die Musiker jedoch sämtlich souverän meisterten.

Das Sorgenkind in Hochform

klassik.com

Frederik Wittenberg, 13. Februar 2011

Wilhelm Friedemann Bach: Kantaten I

Unter den großen Jubilaren des Jahres 2010 ging der älteste Bach-Sohn Wilhelm Friedemann (1710- 1784) in der musikinteressierten Öffentlichkeit ziemlich unter. Bis heute wirft der Vater gerade auf ihn seinen übermächtigen Schatten, den Wilhelm Friedemann selbst schon zu Lebzeiten spürte und nach der Beurteilung der Zeitgenossen nie recht abstreifen konnte. Sollte er tatsächlich der Lieblingssohn Johann Sebastians gewesen sein, war dies für seine eigene Karriere offenbar eher hinderlich. Nach seiner Zeit als Organist und Musikdirektor in Halle an der Saale von 1746 bis 1764, aus der auch die hier vorgestellten Kantaten stammen, versuchte er sich – eher unfreiwillig – als einer der ersten als freier Künstler zu behaupten. Da seine Zeit hierfür noch nicht geschaffen war, scheiterte er, und die Nachwelt dichtete ihm infolgedessen an, ein Trinker und überhaupt sehr wunderlich gewesen zu sein; das Sorgenkind unter den vier Bach-Söhnen gewissermaßen. Grundsätzlich wird über seine Rezeption neu nachzudenken sein, erst recht über seine Kirchenmusik in Halle, die im Vergleich ohne jeden Zweifel zum Innovativsten gehört, was in dieser Zeit geschrieben wurde.
Zum diesem Umstand haben zwei Dinge beigetragen: Zum einen ist der Werkbestand mit etwas über 20 erhaltenen Werken überschaubar, zum anderen stand Friedemann Bach nicht unter dem Druck, jede Woche eine neue Kantate aufführen zu müssen. Nur alle drei Wochen wurde dies von ihm verlangt, und dabei mussten es nicht einmal eigene Werke sein. Hauptsächlich wurde dabei Telemann gespielt, Bach konnte sich so auf die eigenen Beiträge zu den Festtagen konzentrieren und damit besonders elaborierte Werke präsentieren. Wie vielgestaltig und abwechslungsreich er dabei vorging, davon legt die vorliegende Einspielung ein beredtes Zeugnis ab. Der Bachchor Mainz mit dem Ensemble L'arpa festante unter der Leitung von Ralf Otto bieten eine inspirierte und klangfreudige Wiedergabe auf höchstem Niveau. Für einen derartigen Zugriff drängen sich die hier vorgestellten Werke geradezu auf: Mit zwei Weihnachts- und einer Himmelfahrtskantate sowie einer Einführungsmusik anlässlich einer zweimal jährlich stattfindenden Katechismuspredigt stehen festliche Anlässe auf dem Programm, denen Ralf Otto breiten Raum zur prachtvollen Entfaltung lässt.
Schon der Beginn der Kantate 'Ach, dass du den Himmel zerrissest' kündet von der höchst individuellen Meisterschaft Bachs, keine Musik von der Stange zu liefern, sondern losgelöst von allen Schablonen ganz eigene Ausdruckswelten zu erschaffen. Über tremolierenden Bässen und Violen werfen die Violinen kaum mehr als Melodiefetzen ein, auch die Hörner mischen sich darunter bis das Ritornell zu einem Abschluss gebracht wird und der Chor mittels unisono in hymnischem Schwung eine eindringliche Akklamation vorträgt. Bevor das Ritornell wiederholt und der ‚Satz' damit zu Ende gebracht wird, schaltet Bach ein begleitetes Bass-Rezitativ sowie ein Arioso für Sopran und Alt dazwischen. Dieser ausführlichere Blick auf den Aufbau soll zeigen, wie frei sich Bach die einzelnen Bausteine der Kantate immer aufs Neue nach eigenen Vorstellungen zusammensetzte. Die Assoziation zum Sturm und Drang ist hier sicher nicht einfach von der Hand zu weisen.

Exzellente Interpreten

Der Bachchor Mainz widmet sich den Werken mit hörbarer Freude und Hingabe. Die teils sehr komplexe Stimmführung wird mit bewundernswerter Leichtigkeit bewältigt, der Klang bleibt dabei federnd und transparent. Der Charakter jeder Kantate von eher kammermusikalischer Intimität ('Wohl dem, der den Herren fürchtet') bis hin zum kraft- und glanzvollen Gotteslob wird treffsicher herausgearbeitet. Gleiches gilt für die Instrumentalisten von L'arpa festante, von denen besonders die Hornisten und Trompeter ihre anspruchsvollen solistischen Partien mit Bravour meistern, man höre etwa die Arie 'Erschallet, ihr Klüfte' aus der Himmelfahrtskantate 'Gott fähret auf mit Jauchzen'.
Eine sichere Bank sind die Solisten, unter denen besonders Klaus Mertens und Dorothee Mields echte Glanzlichter setzen. Mertens' runder, agiler Bass entbehrt jeder Schwere, sondern verströmt hier in drei großen Arien jenen samtenen Wohlklang, den man bereits aus Ton Koopmans Einspielung sämtlicher Kantaten des Vaters kennt. Die Arien mit ihren teils kühnen Läufen und Koloraturen werden mit fantastischer Akkuratesse und Aussprache bewältigt. Mields' leuchtender, ätherischer Sopran, für vergleichbares Repertoire seit Jahren bewährt, kommt hier oft im Duett mit Gerhild Romberger zur Geltung, deren Altstimme kaum von der eines Countertenors zu unterscheiden ist. Georg Poplutz glänzt in der Arie 'Willkommen, Erlöser der Erde' mit kultivierter und edler Stimme. Alles in allem handelt es sich um eine wunderbare Einspielung, die man immer wieder mit Gewinn hören kann.

Recording of the month

MusicWeb International

Mark Sealey, January 2011

Wilhelm Friedemann BACH: Cantatas 1

Wilhelm Friedemann Bach was the eldest son of Johann Sebastian. Born in 1710 in Weimar, he received a thorough and broad education in Leipzig and moved to Dresden and eventually Halle, where he was both organist and director of music from 1746 to 1764. The latter position had been created in 1628 for Samuel Scheidt and was likely - by W.F. Bach's time - to have had similar requirements to those of his father at Leipzig. These included the regular composition and performance of cantatas, though probably not with quite such regularity as in Sebastian's case. One every three weeks is more likely. It's also known that Wilhelm Friedemann encountered and probably provoked analogous conflict with the city authorities.
Twenty cantatas from W.F. Bach's period at Halle survive. Carus has embarked on a series of CDs to make them available to us in celebration of the tercentenary of the composer's birth in 2010. Much of W.F. Bach's music was thought lost afte r the Second World War - its whereabouts was largely unknown, at least - until rediscovered in Kiev barely ten years ago. And very pleasing - and pleasingly performed by soloists and the Mainz Bach Choir with L'arpa festante under Ralf Otto - these cantatas are!
Consciously emulating the achievement of his father, W.F. Bach in his cantatas avoided the descent into formula and stereotype that had become common in the second half of the century. This is a timely and highly satisfying release, then, and one which should be bought immediately by enthusiasts and lovers of both Bachs and of sacred Baroque music.
Ach, dass du den Himmel zerrissest is a Christmas cantata dating from about 1760, a setting of a text by a theologian from Halle, Johann Jacob Rambach published 40 years before. Its opening is quite extraordinary - it could almost come from Il Trovatore ! Already, it is redolent of several of J.S. Bach's own cantatas, but is its own work in terms of melodic and harmonic invention.
Wohl dem, der den Herren fürchtet consists of only three movements and was probably written in 1752 for a series of catechism sermons delivered at Halle. Using both biblical quotations and words by an unknown (local?) author, it too has some remarkably technically adept passages. Correspondingly shorter than the other three cantatas, it makes its impact both by the contrast between choral and duet movements and between concertante and polyphonic writing.
O Wunder, wer kann dieses fassen is also a Christmas cantata. As with Wohl dem, der den Herren fürchtet, other composers had previously set the text (this time by the Zerbst theologian, Johann Möhring dating from 1723) - notably Fasch. Bach does away with an opening chorus, employing a sinfonia instead for initial impact. Again, the duet is a high point. Bach's skills of counterpoint shine here too. But - as they should be - they're in the service of the text.
The text for the Ascension Day cantata, Gott fähret auf mit Jauchzen is again provided by Rambach. Most likely composed during the 1750s, it does have an extended four part opening chorus that's surely worthy of W.F.'s father. It's a good cantata with which to end this CD for it shows many of the younger Bach's strongest compositional strengths: a sense of the sublime, an espousal of simplicity where most appropriate, a superb touch for instrumentation and a great sensitivity towards the text.
If the performances on this CD were perfunctory, over-zealous to make the case for W.F. Bach's cantatas, or merely serviceable, it would be an interesting and useful collection. One would still want to investigate it, given the strengths, beauty and sheer exuberance of the music. As it is, Otto's interpretations, the precision and excitement, dynamism and thoughtfulness of the instrumentalists as well as the persuasive and expressive contribution from soloists Dorothee Mields (soprano), Gerhild Romberger (alto), Georg Poplutz (tenor) and Klaus Mertens (bass) make this a CD over which you need not hesitate. The acoustic is clean and concentrates our attention on the music. The booklet contains brief but informative background and full texts in German and English. It's also useful to have emerging bibliographical data for the scores. Carus is preparing a new critical edition. A real winner.

Wilhelm Friedemann Bach: Kantaten auf neuen CDs

Musik und Liturgie

Peter Wollny, Januar 2011

Als der älteste Sohn Johann Sebastian Bachs am 12. Mai 1764 dem Oberpfarrer die Schlüssel zur Orgelempore der Marktkirche von Halle an der Saale zurückgab und seinen Dienst quittierte, ging in die- ser Stadt eine glanzvolle musikalische Epoche sang- und klanglos zu Ende. Seit Samuel Scheidt war die Organistenstelle stets von herausragenden Virtuosen und Komponisten bekleidet worden. Friedemann Bach hatte über Jahre hinweg mit ansehen müssen, wie die anfangs noch günstigen Bedingungen seiner Anstellung sich zunehmend verschlechterten, sodass ihm für die Verwirklichung seiner künstlerischen Ziele zuletzt offenbar kaum noch Spielraum blieb. In seinen etwa 20 erhaltenen Kantaten und Messkompositionen gelangte der Bach-Sohn zu musikalischen Lösungen, die immer wieder aufs Neue nach Pathos und Anmut, Brillanz und Originalität, kunstreicher Mannigfaltigkeit und natürlicher Schlichtheit streben. Zwei neue CDs, beide fast ausnahmslos mit Ersteinspielungen angefüllt, dokumentieren die weithin vergessenen musikalischen Perlen und führen zu einem audiophilen Genuss.