DIE NÄCHSTEN KONZERTE

Kartenhotline
0 700 - 22 24 24 67

6. April 2012
19.30 Uhr
Johann Sebastian Bach
Johannespassion
Christuskirche Mainz
9. April 2012
20.00 Uhr
Orgelkonzert
Die Reihe: Olivier Messiaen
Volker Ellenberger
Christuskirche Mainz
29. April 2012
20.00 Uhr
Festkonzert 50. Jahrestag
Prof. Hans-Joachim Bartsch
Christuskirche Mainz
6. Mai 2012
20.00 Uhr
Orgelkonzert zum Jubiläum
Thomas Wilhelm
Christuskirche Mainz
17. Mai 2012
20.00 Uhr
Orgelkonzert
Die Reihe: Olivier Messiaen
Volker Ellenberger
Christuskirche Mainz
23. Mai 2012
20.00 Uhr
Orgelkonzert mit Videoprojektion
Prof. Hans-Jürgen Kaiser
Christuskirche Mainz
28. Mai 2012
20.00 Uhr
Orgelkonzert
Die Reihe: Olivier Messiaen
Volker Ellenberger
Christuskirche Mainz
3. Juni 2012
20.00 Uhr
Orgelkonzert
Die Reihe: Olivier Messiaen
Volker Ellenberger
Christuskirche Mainz
17. Juni 2012
19.30 Uhr
Johann Sebastian Bach
Messe h-moll
Christuskirche Mainz

Noël - Französiche Weihnachtsmusik
der Romantik

Philharmonie Luxembourg, 1. Dezember 2009







Noëls français, une affaire de choeur

Luxemburger Wort

Von Pierre Gerges, November 2009
Hanne Kielholtz (Übersetzung)

Französische Weihnachten, eine Chor-Herzensangelegenheit
Ralf Otto gibt stark verkannter Musik ihre typisch französische Empfindsamkeit zurück

Sie ist lang, die Liste der Mitwirkenden, die zu der faszinierenden Schönheit eines Abends beigetragen haben, der sehr unkonventionell war, weil er die Konventionen einer Epoche hervorrief, die mit ihrer gut pariserischen und sehr bourgeoisen Empfindsamkeit sehr Second Empire (2. Kaiserreich)-mäßig daherkam:

L'Arpa Festante aus München, der Mainzer Bachchor, die Organistin Petra Morath-Pusinelli, der Pianist Burkhard Schaeffer, die Sopranistin Susanne Bernhard, die Mezzo Regina Pätzer, die Altistin Gerhild Romberger, der Tenor Hans-Jörg Mammel und der Bassist Klaus Mertens erweckten die pastorale Lieblichkeit ohne den leisesten parodistischen Anflug zum Leben.

Fauré, Saint-Saens, Gounod und Franck lösten einander mit erstaunlicher stilistischer Angemessenheit ab, so dass in keinem Moment das Gefühl aufkam, die Intimität dieser kostbaren Miniaturen würde durch die Musiker mit Routine behandelt, oder gar mit Herablassung, obwohl sie doch solcherart viele Höhepunkte lyrischer Kunst gewöhnt sind.

Es ist diese beispielhafte Symbiose zwischen der Werktreue, vokal und instrumental mit erstaunlichem Respekt vor der Verständlichkeit wiedergegeben, und der geschaffenen Atmosphäre in sich ruhender Intimität oder schemenhafter Religiosität, die die Zuhörer erfolgreich in eine Musik einband, die so schwer vor dem Kitsch oder der Inhaltslosigkeit zu bewahren ist.

Lassen Sie uns stellvertretend für all die Beteiligten, für die uns der Platz fehlt, ihre großen Verdienste zu würdigen, die Noblesse und Souveränität der Organistin grüßen, die zu allen denkbaren Klangmischungen unbestreitbar verführerischen Charme beitrug, sei es durch Verschmelzung oder durch Kontrapunktsetzung. Lassen Sie uns zum Beispiel hierfür den 150. Psalm von César Franck nehmen (zweifelsohne der inspirierteste Komponist der "Konfrontation"): Eine wohlklingende Komplizität zwischen Violoncello und Orgel, ein Gespür für milimetergenaues Rubato, ein Atmen ohne Aussetzer, die himmlischen Höhenflüge der Harfe sowie das Dirigat von Ralf Otto, der ohne Unterlass die orchestralen und choralen Massen mit Weichheit und Geschmeidigkeit sättigte, so dass er bei aller Dramatik, sogar bei den glühendsten und spektakulärsten Höhepunkten, jeglichen Anschein von Pathos oder Schwulst vermied. Wie hätte man unter diesen Umständen einer solchen Ästhetik widerstehen können, wenn sie auch infolge der vielfältigen Strömungen der "Neuen Schlichtheit" allgemein in Misskredit geraten ist?

Dass deutsche Künstler mit derart viel Geschmack die Mäander einer Seele entziffert haben, der man nie aufhört, ihnen den Zutritt zu verweigern; dass die große germanische Tradition mit so viel Leichtigkeit den Edelmut, die Glut und die Zärtlichkeit eines Universums durchdrungen hat, das die Franzosen selbst nur zu gern verschmähen, war allerdings noch nicht die größte der Überraschungen. In der Tat ging die philologische Sorgfalt der vokalen Akteure sogar so weit, dass sie die Aussprache "à la francaise" den lateinischen Texten zugrunde legte; eine Art und Weise, die bisher als historische Annäherung an französische Barockwerke akzeptiert war, von der wir aber noch nicht wussten, dass sie so leichtfüßig auf das Ende des 19. Jhds. übergegriffen hat. Alle diese "-.usse", "-omme" und andere nasalierten Vokale erleichterten weder das Entäußern einer Sprache, die ohnehin schon den Ruf schwieriger Aussprache hat, noch deren Aufnahme durch viele verblüffte Ohren, verlieh aber der so entschieden auf die Vermittlung sorglosen Hedonismus' und untadeliger Eleganz einer untergegangenen Welt ausgerichteten Vision den letzten Touch an Authentizität.