Bachchor Mainz - Pressestimmen
Noël - Französiche Weihnachtsmusik
der Romantik
- Christuskirche Mainz, 13.Dezember 2008
- Liebfrauenkirche Oberwesel, 12. Dezember 2008
- CD-Produktion 2008
"Noël" kommt ganz bescheiden daher
Allgemeine Zeitung Mainz
von Siegfried Kienzle, 15.12.2008
Bachchor präsentiert in Christuskirche französische Weihnachtsmusik der Romantik
Festlich aufrauschend mit Pauken und Trompeten stimmt Bach sein Weihnachtsoratorium an. Zart dagegen beginnt der 23-jährige Camille Saint-Saëns sein Weihnachtsoratorium op.12 mit einer Hirtenmusik. Der junge Komponist war 1858 gerade Organist an der Pariser Madeleine-Kirche geworden und stimmte seine Kirchenmusik bescheiden auf die Möglichkeiten seiner Gemeinde ab. Er verzichtet auf Bläser und begnügt sich mit zehn Sätzen mit zwei Arien, wo Bach in 64 Nummern das Füllhorn seiner Inspiration ausgießt. Ralf Otto mit seinem Bachchor und dem Original-Klangensemble "L´arpa festante" aus München sowie Petra Morath-Pusinelli an der Orgel erfüllten bewegend die Christuskirche mit der weichen lyrischen Stimmung dieses Frühwerks. Einzig beim "Quare fremuerunt" konnte der Bachchor das Toben der Heiden auch mit dramatischer Stimmkraft ausspielen. Feierlich bekräftigte der Tenor Hans Jörg Mammel in "Domine, ego credidi" das Glaubensbekenntnis des Petrus. Die Harfe von Ute Blaumer entfaltete im "Benedictus"-Duett mit Mammel und dem Sopran Simona Saturová wie auch im Terzett "Tecum principium" (hier ergänzte der Bariton Florian Boesch das Ensemble) graziösen Klangreiz. Der Chor "Tollite hostias" setzte den klangmächtigen Schlusspunkt. Auch das restliche Programm widmete sich der französischen Vokalmusik des 19. Jahrhunderts. Die schönste Stimme des Abends gehörte Birgit Schmickler, deren Mezzo Gounods "Ave Maria", von der Harfe begleitet, wundervoll beseelt gelang. Gleichfalls von Gounod war die Uhland-Vertonung "Noël" zu hören. Ausgesprochene Fundstücke waren die beiden Titel von Gabriel Fauré mit seinem Frühwerk "Cantique de Jean Racine", mit dem sich der Bachchor in einem feierlich getragenen Barockhymnus bewährte, und dem Klavierlied "Noël" op.43/1. Der dunkel timbrierte Sopran von Simona Saturova wurde am Klavier von Burkhard Schaeffer begleitet. Den 150. Psalm "Lobet den Herrn" hat man in der Bruckner-Vertonung ihm Ohr. Auch in der Fassung von César Franck konnte der Bachchor in weit ausschwingender enthusiastischer Steigerung seine Klangenergien entfalten. Die Arie "Panis Angelicus" aus Francks A-Dur-Messe, mit der sich inzwischen von Domingo bis Norman und Bartoli alle Lieblingssänger verewigt haben, konnte sich auch Hans Jörg Mammel getragen von Solo-Cello und Harfe vokal opulent gestalten.
Besinnliches in hektischer Zeit
Mainzer Rheinzeitung
von Julia Schumacher, 15.12.2008
Stimmungsvolles Weihnachtskonzert des Mainzer Bachchores mit dem Münchner Barockorchester
Andächtige Zurückhaltung ohne allzu viel Pathos - das ist heute sicherlich die ideale Interpretationsweise von Weihnachtsmusik aus der Zeit der Romantik. Wenn solche Werke dann auch noch aus der Feder französischer Komponisten stammen, ist viel Gespür für die filigranen Zwischentöne nötig. Und das hat der Bachchor Mainz unter Leitung von Ralf Otto nicht nur mit seiner aktuellen CD-Einspielung "Noel" bewiesen, sondern auch im stimmungsvollen Live-Konzert. Wie für das Ensemble typisch, hat es hierfür, diesmal gemeinsam mit dem Münchner Barockorchester "L'arpa festante", weniger bekannte Werke ausgesucht. Dem warmen Ton der vier Komponisten Camille Saint-Saëns, César Franck, Charles Gounod und Gabriel Fauré trägt das Orchester Rechnung durch eine im Barock und auch noch in der frühen Romantik übliche Aufführungspraxis: die Streichinstrumente sind mit Darmsaiten bespannt und produzieren somit einen herrlich klaren, warmen und silbrigen Klang. Was historische Authentizität betrifft, hat der Bachchor in "L'arpa festante" also einen gleich Gesinnten gefunden, und das konnte man hören. Gleich zu Beginn, im "Lobgesang des Jean Racine" von Fauré, erwiesen Chor und Orchester starken Ausdruck im gefühlvollen Zusammenspiel der erforderten leisen Töne, was sich oft sehr viel schwieriger vermittelt als Aufregung oder Passion. Der Chor erfreute insgesamt mit einer stets deutlichen Plastizität der einzelnen Stimmen, besonders klar und kraftvoll trat der Alt in den Passagen für reinen Frauenchor, etwa in "Noël" von Gounod, hervor. In der Vertonung des 150. Psalms von Franck durfte das gesamte Ensemble auch einmal mit kraftvolleren Tönen ein sehr stimmungsvolles Werk aus der späteren Romantik um 1880 musizieren. Im abschließenden Weihnachtsoratorium von Saint-Saëns, dessen Thema in den Streichern ganz besonders feierlich hervortrat, zeigten auch die fünf Solisten in unterschiedlichen Besetzungen von Duetten bis Quintetten, dass sie gut auf das Ensemble eingestimmt waren. Ein weich gebetteter, besinnlicher Ruheplatz in der hektischen Vorweihnachtszeit also, den der Bachchor seinem Publikum da bereitet hat.
NDR Kultur Neue CDs | 16.12.2008 06:45 Uhr
NDR Kultur
Vorgestellt von Dagmar Penzlin
Die Franzosen wissen zu feiern - auch an Weihnachten pflegen unsere Nachbarn ihre Traditionen: etwa den Weihnachtsschmaus mit Gänseleber und der traditionellen Biskuitrolle mit Buttercreme. Eine Lanze für die französische Weihnachtsmusik der Romantik bricht in diesen Adventswochen nun eine Schar deutscher Musiker: Schlicht "Noël" - "Weihnachten" - heißt eine neue CD des Bachchores Mainz, auf der neben bekannten Stücken auch einige unbekannte zu entdecken sind. Ein musikalisches Krippenspiel "Die Nacht senkt sich vom Himmel nieder, der Frost hängt am Dach seine Fransen auf." Vor dieser Kulisse schweben die Engel herbei und der Stern leitet die Heiligen Drei Könige zur Krippe. Gabriel Fauré fängt mit Klavier und Orgel diese Szene ein, wobei dem Klavier neben Begleitfiguren immer wieder virtuosere Passagen zufallen. Es skizziert mit hohen Tonkaskaden den Stern ebenso wie den Glorienschein über dem Stall. Die Orgel schließlich untermalt die Begegnung zwischen den Heiligen Drei Königen und dem Jesuskind bedeutungsvoll. Ein musikalisches Krippenspiel - und über all dem schwebt eine Sopranstimme, die erzählt, was passiert. Und das mit wachsender Emphase. Ein zauberhaftes, kaum bekanntes Werk ist dieser Gesang mit dem schlichten Namen "Noël" - "Weihnachten". Auch das Stück "Noël" von Charles Gounod nach einem Gedicht von Ludwig Uhland ist mit Klavier und Orgel besetzt. Dazu gesellen sich zwei Gesangssolistinnen und ein Frauenchor. Gemeinsam stimmen sie einen Freudengesang auf die Geburt des Erlösers an. Der Dirigent Ralf Otto kombiniert selten zu hörende Weihnachtskompositionen der französischen Romantik mit den Klassikern dieses Repertoires: So fehlt weder das "Weihnachtsoratorium" von Camille Saint-Saëns noch "Panis angelicus" von César Franck. Außerdem dabei - hervorragend gesungen - das "Ave Maria" von Gounod. Warmer, sorgfältig abgerundeter Wohlklang Die CD folgt einer geschickten Dramaturgie: Mitsummen wechselt stetig mit gespanntem Hinhören, wenn die unbekannteren Werke kommen. Eine entdeckenswerte Rarität ist zum Beispiel auch Francks Vertonung des 150. Psalms - keine ausschließlich weihnachtliche Komposition aber doch zum Anlass passend. Nicht zuletzt, weil der Komponist alle Möglichkeiten nutzt, um Klangpracht zu erzeugen - ganz im Sinne des Psalmtextes, der von Posaunen, Pauken und Zimbeln spricht. Der Bachchor Mainz, ein sehr ambitionierter Laienchor mit Tradition, entfaltet spätromantisches Volumen, ohne klanglich zu zerfasern. Im Gegenteil: Immer wieder heißt es Baden im warmen, sorgfältig abgerundeten Wohlklang. Seit 1986 ist Otto der künstlerische Leiter des Chores. Er ist ein aufführungspraktisch ambitionierter Dirigent. So strebt sein Chor gemeinsam mit dem Barockorchester München "L'arpa festante" danach, dem originalen Klangbild möglichst nahe zu kommen, bis hin zur französischen Aussprache der lateinischen Texte, wie sie in Frankreich bis nach dem Zweiten Weltkrieg üblich war. Die CD "Noël" erweitert den Horizont und stimmt enorm weihnachtlich.
Frohe Kunde: "Noël" mit dem Bachchor Mainz
Schreibwolff
von Jan Geert Wolff
Das Weihnachtsoratorium? Ist von Bach. Und zwar Johann Sebastian. Meistens jedenfalls. Dass das gleichnamige Werk des Franzosen Camille Saint-Saëns sein Schattendasein zu Unrecht führen kann, zeigt die Neueinspielung des Bachchors Mainz unter Ralf Otto: "Noël" ist ein klingendes Kompendium mit Werken der französischen Romantik zum Weihnachtsfest. Gemeinsam mit dem Münchner Orchester L'arpa festante und einem harmonischen Solistenquintett aus Simona Houda Saturová (Sopran), Regina Pätzer (Mezzosopran), Anke Vondung (Alt), Hans Jörg Mammel (Tenor) und Florian Boesch (Bariton) hat der Bachchor bei Sony/BMG eine Weihnachts-CD eingespielt, die sich nicht nur mit Saint-Saëns' Opus abseits der ausgetretenen Pfade glühweinseliger Weihnachtsstimmung bewegt. Ralf Otto geht behutsam an dieses Oratorium heran: Leise, leise - als wollte er das Kind in der Krippe nicht stören. Weich erklingt ein zarter Orgelton, der wie ein warmer Lichtschein in dunkler Nach anmutet. Grazil und ebenso flaumig legen sich die Streicher darauf und umspielen den Gewissheit verströmenden Mezzosopran Regina Pätzers: "Expectans, expectavi Dominum" - "Ich harrete des Herrn." Diesen Gedanken greift Hans Jörg Mammels funkelnder Tenor auf und der Chor, der zuvor schon kraftvoll das Gloria intoniert hat, antwortet mit nobler Zurückhaltung. Doch dieses Ensemble hat auch Kraft: Dicht und stringent erklingt der zweite Psalm als klangliches Spiegelbild des orchestralen Klangkörpers. Und plötzlich schnurrt der Schall in der Doxologie auf ein Minimum zusammen, ist jedoch präsent wie in den Fortepassagen: Der Bachchor beweist auch in größerer Besetzung die Flexibilität eines kleinen Ensembles. Wie eine Kathedrale wirkt das finale "Tollite hostias": Hier wird nicht nur gesungen, hier findet Verkündigung statt. Dazu passend agieren auch die anderen Solisten: Simona Houda Satourovás federleichte Sopran harmoniert im Duett mit dem satten Bass Florian Boeschs und wie durch ein unsichtbares Band scheinen die beiden Stimmen verbunden, auch wenn die eine in die Höhe und die andere in die Tiefe strebt; die "große Stunde" für Anke Vondung folgt ein paar Tracks später. Das Weihnachtsoratoium von Camille Saint-Saëns ist stilistisch nicht unbedingt ein in sich geschlossenes Werk. Auch erzählt es nur in Ansätzen die Weihnachtsgeschichte, wie man es vom Bachschen Pendant her kennt. Ralf Otto begreift diese Musik dennoch als Ganzes und verleiht jedem Part eine eigene Prägung. Ob leidenschaftlicher Chorklang oder harmonischer Ensemblegesang der Solisten über dem zarten Klang der Harfe: Die Harmonie als Herzenswunsch zum Christfest ist hier nicht nur hör-, sondern auch spürbar. Der Tonträger stellt neben dem Weihnachtsoratorium das bekannte "Panis Angelicus" aus der Messe Opus 12 von César Franck sowie dessen Psalm 150 in der Originalversion für Chor, Orgel und Sinfonieorchester vor. Den Titel gaben die gleichnamigen Stücke von Gabriel Fauré und Charles Gounod, von dem auch das Bachsche "Ave Maria" mit dem filigran schwebenden Alt Anke Vondungs zu hören ist. Faurés "Cantique de Jean Racine" beschließt den festlichen und vielfarbigen Querschnitt durch die französische Romantik stimmungsvoll.


