The Messiah
Georg Friedrich Händel (1685-1759)
Christuskirche Mainz, 13. Dezember 2009
Dieser "Messias" war ein Erlebnis
Mainzer Rhein-Zeitung
Von Matthias Mader, 15.12.2009
Bachchor unter Ralf Otto gibt ein tolles Konzert
Prophezeiung, Geburt, Kreuzestod, Auferstehung - es ist immer dasselbe. Der "Messias" von Händel ist nun mal so etwas wie eine Biografie Jesu. Und die bleibt in jeder Aufführung gleich. Aber es ist doch immer wieder anders: ein anderer Chor, ein anderes Orchester, andere Solisten und ein anderer Dirigent. So bekommt Händels Oratorium immer wieder Neues. Auch in der Christuskirche, wo sich kurz vor Schluss des Händel-Jubiläumsjahres der Bachchor des englischen Hits angenommen hat.
Aber immerhin, unter der Leitung von Ralf Otto wird das genau so, wie man das erwartet: grandios. Oder gerade überhaupt nicht grandios. Denn Otto kümmert sich nicht um Erwartungen und Aufführungstraditionen, um Pracht und Effekt. Er stößt zum Kern des "Messias" vor. Und dort sind es nicht nur der triumphale "Hallelujah"-Chor am Ende des zweiten Teils oder die große Schlussfuge, die zählen. Im Innersten dieser Partitur findet Otto mit seinen vorzüglichen Solisten und dem prächtigen Orchester ganz private und intime Bekenntnismusik. Das ist faszinierend und bestechend, wie ernst Otto die Noten nimmt und wie genau er sie umsetzen kann.
Federleicht und voll vibrierender Spannung preist der Bachchor anfangs die Herrlichkeit Gottes. Und er hält die Mischung aus konzentrierter Präzision und ausgewogen weichen Klängen durch bis in das allerletzte, abschließende Amen. Diese Einheit des komplexen Werks wird auch durch den Dirigenten gefördert, dem offenbar selbst die kurze Pause zum Nachstimmen zwischen zweitem und drittem Teil schon zu lange ist: Otto bemüht sich erfolgreich um einen "Messias" aus einem Guss - mit dichten Übergängen zwischen den einzelnen Nummern, mit weit ausholenden dramatischen Entwicklungen und Verzögerungen.
Und vor allem mit einer sensiblen und klugen Tempogestaltung: Auf zügigen Grundtempi aufbauend, besticht er mit flexiblen Anpassungen, aber auch mit ungeheurer Ruhe und Anspannung in langsamen Sätzen. Zum Beispiel der herrlichen Alt-Arie "He was despised", die Andrew Radley bis zum Zerreißen dehnt und mit körperlicher Spannung auflädt. Überhaupt geizen auch die Solisten nicht mit vollem Einsatz: Der elastisch geführte Sopran von Susanne Bernhard und der furiose Bass von Klaus Mertens ebenso wie der lichte und klare Tenor Hans Jörg Mammels - beides alte Bekannte in der Christuskirche. Genau wie das Münchener Orchester "L'arpa festante", das Otto empfindsame, aber unsentimentale Deutung des "Messias" knackig ergänzt und zu einer intensiven, neuen Hörerfahrung macht.
"Hallelujah" jubelnd und strahlend
Allgemeine Zeitung Mainz
Von Rebecca Hack, 15.12.2009
BACHCHOR Händels Oratorium "Messias" auf englisch und ungekürzt Beeindruckendes Konzert in der Christuskirche
Für sein vorweihnachtliches Konzert hat der Mainzer Bachchor in diesem Jahr Händels bedeutendstes und meistgespieltes Oratorium ausgewählt: den Messias. Der renommierte Chor stellt sich damit einer enormen Herausforderung, zumal er sich seinem Konzept entsprechend so weit wie möglich an der historischen Aufführungspraxis orientiert sowie den englischen Originaltext verwendet.
Die Atmosphäre ist feierlich in der Christuskirche. Empore und Kirchenschiff sind voll besetzt, sogar die Vorhalle ist vollständig mit Stuhlreihen bestückt. Der Chor präsentiert sich mit Händels Meisterwerk aus dem Jahr 1742 als runder und stimmiger Klangkörper und ist glänzend aufgelegt. Er beweist stimmliche Präsenz und Sorgfalt durch alle Lagen sowie gute Artikulation des von Charles Jennens aus Bibelzitaten zusammengestellten Textes. Dabei liegt die Stärke des Bachchors besonders in der Ausdruckskraft und Vielseitigkeit: So ist sein "And He shall purify" imposant und eindringlich, feierlich der Engel-Chor "Glory to God in the highest" und das populäre "Hallelujah" jubelnd und strahlend.
Begleitet werden die Sänger vom klangvollen und präzisen Münchner Barockorchester "L´arpa festante", das für die passenden historischen Klangfarben sorgt. Daneben glänzt das Ensemble von hervorragenden Solisten, allen voran Sopranistin Susanne Bernhard. In Arien wie "I know that my Redeemer liveth" brilliert sie mit vollem, warmen Timbre und klaren, lieblichen Höhen, die sie mit bestechender Leichtigkeit nimmt. Der historischen Aufführungspraxis entsprechend ist die Altpartie mit einem Mann besetzt. Der Brite Andrew Radley hat sich als Interpret von Barockmusik und besonders von Händelschen Kastratenrollen einen Namen gemacht. Sein Countertenor ist fein und beweglich mit strahlenden Höhen. Tenor Hans Jörg Mammel singt temperament- und kraftvoll mit warmem Ton. Die Basspartie ist mit Klaus Mertens hervorragend besetzt, seine Interpretation ist eindringlich und virtuos in den Koloraturen.
Dirigent und Chorleiter Ralf Otto führt Chor, Orchester und Solisten engagiert und emphatisch und arbeitet besondere Stellen wie die zarten Pianos behutsam hervor. Aufmerksam geht er auf die Musiker ein und es gelingt ihm, jeden einzelnen optimal zu fordern und dabei ein harmonisches Ganzes zu schaffen.
Festlich endet der Abend mit dem krönenden "Amen" des Chores, der Händel mit dieser Aufführung des "Messias" im Jahr seines 250. Todestages alle Ehre erwies. Man darf gespannt sein auf die kommenden Projekte des Chores, der sich 2010 ausführlich seinem Namensgeber widmen wird.

