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17. Mai 2012
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Alessandro Scarlatti
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24. Juni 2012
11.15 Uhr
Universitätsgottesdienst
Der Geist hilft unser Schwachheit auf (BWV 226)
Christuskirche Mainz

Matthäus-Passion

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Christuskirche Mainz, 10. April 2009






Stunden der Besinnung

Allgemeine Zeitung Mainz

von Siegfried Kienzle, 14.04.2009

"Matthäuspassion" des Bachchors als Konzertereignis

Bachs "Matthäuspassion" am Karfreitag in der Christuskirche - das war nicht nur ein Konzertereignis. In der Wiedergabe des Bachchors wurden das drei Stunden der Besinnung, des eligiösen Ergriffenseins voll Erschrecken und Mitleid angesichts der Passionsgeschichte.

Ausdrucksstark brachte Ralf Otto mit seinem Bachchor und dem Münchner Originalklang-Ensemble "L´arpa festante" die Kreuzigung Christi nahe. Expressiv vorwärtsdrängend, durchaus dramatisch geschärft und dazwischen die Arien als lyrische Ruhepunkte hervorgehoben,
gestaltete der Dirigent das Werk.

Bach hat seine Passion für zwei Chöre und zwei Instrumentalensembles geschrieben, die mal gemeinsam, dann wieder getrennt agieren. Geschickt machte Otto diese dramaturgische Konzeption nicht nur hör- sondern in dieser Aufführung sogar sichtbar in der Platzierung der Musiker. Ein Kunstgriff, der Bachs durchsichtige Gliederung vermittelte. Umso mächtiger der Klang, wenn der Bachchor in seiner Gesamtzahl gefordert ist: im Eingangs-Chor "Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen" mit den dissonanten Reibungen, in der Sturmszene "Sind Blitze, sind Donner" und besonders schmerzlich in "O Mensch, bewein dein Sünde groß".

Ungewöhnlich war die Sorgfalt, mit der Otto die Choräle differenzierte. Sechsmal im Verlauf des Werks erklang die Karfreitagsmelodie "O Haupt voll Blut und Wunden". Und immer wieder war sie im Wechsel der Tonarten und Klangfarben neu: Ausdruck von Trauer, aber auch von Zuversicht, Dank und Bekennermut. Die Einwürfe in den Volksszenen wie der Kreuzigungsfuge bekamen aggressive Schärfe.

Der Tenor Georg Poplutz, bereits im Vorjahr als Evangelist in der "Johannespassion" bewährt, wechselte wiederholt vom neutralen Erzählton in den emotionalen Ausbruch, als sei er voll Schmerz und Hingabe Augenzeuge der Passion. Für die Christusworte fand Thomas Gropper die Spannungskurve von kämpferischer Haltung, Verzweiflung bis zu resignativer Milde.

Herausragend waren die Gesangssolisten. Bewegend gelangen der an der Mainzer Musikhochschule ausgebildeten Altistin Regina Pätzer die Totenklage im Wechsel mit dem Chor und das flehende "Erbarme dich, Gott" im Zwiegesang mit der Solovioline. Makellos an Wohllaut formte Ruth Ziesak die Sopran-Arien.

Der Tenor Daniel Sans, der seine musikalische Laufbahn beim Mainzer Domchor begonnen hat, und der Bass Christian Immler ergänzten stilsicher das Ensemble. Unter den Solisten des Bachchors ragten der Pilatus von Christian Wagner und der Petrus von Christian Rathgeber mit größeren Aufgaben hervor. Das Barockorchester "L´arpa festante", in Mainz zuletzt mit dem Mozart-Requiem und Bachs Weihnachtsoratorium zu Gast, bewies erneut mit subtilen Solo-Flöten und der renommierten Hille Perl an der Gambe hohe Kompetenz. Am Schluss atemlose Stille in der Kirche und dankbarer Applaus.

Bachs Passion fasziniert auch heute noch

Mainzer Rhein-Zeitung

von Tobias Jung, 15.04.2009

Bachchor präsentiert das musikalische Leiden Christi laut und emotional in der Christuskirche

Als die Leipziger am 11. April 1727 in die Karfreitagsvesper zur Uraufführung der Matthäuspassion von Bach gingen, wussten wohl die wenigsten, was sie erwartete. Auch gut 280 Jahre später übt das monumentalste aller Bach-Werke für zwei Chöre, zwei Orchester und Solisten seine Faszination uneingeschränkt aus. So auch diesen Karfreitag, als die Matthäuspassion vom Bachchor Mainz in der Christuskirche aufgeführt wurde.

Schon mit den klagenden Dissonanzen der Einleitung, die auf den historischen Instrumenten von "L'arpa festante München" besonders intensiv wirkten, zogen die Musiker das Publikum in ihren Bann. Samtig wogend setzte der Bachchor darüber die ersten Chorklänge, aus denen sich klar, fast feierlich der Choral "O Lamm Gottes unschuldig" erhob.

Dirigent Ralf Otto schien den warmen Klang des Chors fast zu streicheln. Er präsentierte eine Interpretation, die niemals wuchtig und pompös wirkte. Immer darauf bedacht, das Klangpotenzial des Bachchors völlig auszuschöpfen, unterstrich Otto das Erhabene an der Passionsgeschichte ebenso wie die große Opferbereitschaft Christi. Wenn nötig, trieb er die Musiker aber auch zu Furcht einflößenden Zornesausbrüchen an, wie etwa bei "Sind Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden?", mit dem der Verrat des Judas angeprangert wird. Eindrucksvoll schienen die Sänger wirklich "den feurigen Abgrund" der Hölle zu öffnen. Auch die Solisten trugen mit ausdrucksstarken Rezitativen und Arien zu einer schlüssigen Gesamtkonzeption bei.

Georg Poplutz verlieh mit seinem hellen Tenor dem Evangelisten die nötige Ausdrucksstärke und zeichnete den Leidensweg Christi ergreifend nach, verfiel dabei aber nie ins Bemitleidende, sondern schaffte es, das Publikum in der Christuskirche mit seiner eindringlichen Erzählung immer zu fesseln.

Mit seinem schlanken, aber tragendem Bass gab Thomas Gropper der Vox Christi die nötige Würde und Erhabenheit. Christian Immler gestaltete mit seinem volltönigen Timbre die Bass-Arien und bewies dabei große Wandlungsfähigkeit, wechselte er doch von Arie zu Arie die Rolle und stellte sowohl die Reue des Judas als auch die Hilfsbereitschaft des Josef von Arimathäa in beeindruckender Weise dar.

Mit gefühlvoller Interpretation gefiel auch Daniel Sans, dessen stimmliche Präsenz den Tenor-Arien den nötigen Esprit verlieh. Altistin Regina Pätzer überzeugte mit ihrer warmen, gefühlsstarken Stimme. In der ersten Arie noch etwas zurückhaltend, traf sie in den folgenden eindringlichen Arien mitten ins Herz.

Ruth Ziesak gefiel mit ihrem klaren Sopran. Mit fast schon schneidender Stimme prangerte sie in ihrer ersten Arie den Verrat durch Judas an. Eindrucksvoll war das Duett der beiden Solistinnen, in dem sie die Gefangennahme Jesu beklagen. Weich und fließend umschlangen die beiden Stimmen einander, nur unterbrochen durch die kurzen, aber heftigen Ausbrüche des Chores.

Mit dem Schlusschoral "Wir setzen uns mit Tränen nieder" brachten die Musiker den fesselnden Abend nach gut drei Stunden zu einem passenden Ende: würdig, trauernd, ohne dabei pathetisch zu wirken.